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Der Adventskalender – 24 Türchen bis zum Fest

Kaum ein Kind, das heute keinen Adventskalender im Dezember besitzt und damit dem Weihnachtsfest entgegenfiebert. Dabei hat der Adventskalender mittlerweile auch längst schon Einzug gehalten in Familien der unterschiedlichsten Kulturkreise, die in Deutschland leben. Und warum auch nicht? Der Brauch, die Vorfreude auf das große weihnachtliche Ereignis mit kleinen Geschenken Tag für Tag zu steigern, ist einfach zu schön.

Den Adventskalender gibt es jedoch so, wie wir ihn heute kennen, noch gar nicht so lange. Doch viel älter ist der Gedanke, den Kindern das Warten auf das Weihnachtsfest zu verkürzen. Schon Martin Luther tat hier das Möglichste für seine Kinderschar. So kam nicht nur der heilige Nikolaus, sondern auch das Warten wurde durch kleine Geschenke verkürzt.

Doch über viele Jahrhunderte blieb die Adventszeit eine Fastenzeit vor dem Fest, in der man sich besinnen sollte auf Gott und das eigene Leben – und in der Freuden wenig Platz hatten. In vielen Kirchen stand jedoch eine Krippe, zu welcher über die Wochen immer mehr Figuren hinzugefügt wurden. So konnte auch bei den Kindern die Vorfreude gesteigert werden. Immer wieder entdeckten sie etwas Neues. Und dann gab es da auch noch die Himmelsleiter, die in vielen Frauenklöstern beliebt war. Dabei kletterte eine kleine Engelsfigur eine aus Holz oder Papier gefertigte Leiter immer weiter empor – bis sie am Heiligen Abend ganz unten ankam. Dann hatte das Christkind symbolisch die Erde erreicht. Oftmals durften auch die in den Klosterschulen unterrichteten Kinder Hand anlegen am Jesuskind.

Doch der Adventskalender, wie ihn heute fast alle Kinder – und auch so manche Erwachsenen – öffnen, entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wie, das ist ziemlich genau bekannt: Die Mutter eines gewissen Gerhard Lang wollte ihrem Sohnemann das Warten auf das Weihnachtsfest verkürzen. So entstand ein erster Pappadventskalender mit Bildern hinter Türchen.

Lang jedoch wollte diese geniale Idee als Erwachsener weiterverfolgen und gestaltete seinerseits einen Adventskalender, der stark an jenen seiner Mutter angelehnt war. Erließ also zwei Bilder auf  Pappendeckel malen; in eine Pappe wurden Türchen gestanzt.

„Im Lande des Christkinds“ wurde 1908 zum ersten fabrikmäßig produzierten  Adventskalender und in München von der dortigen Lithographischen Anstalt auf den Markt gebracht. Man musste die Bilder auf einer Pappe ausschneiden und auf einer anderen zu einem Bild anordnen und aufkleben.

Der Kalender blieb über 30 Jahre lang eines der Lieblingsgeschenke vor Weihnachten. Dann jedoch entschieden die Nationalsozialisten, dass solch ein Kalender ihren Prinzipien widerstrebte.

Doch bis zu jenem Tag waren in München und ganz Deutschland bereits so vielen Adventskalender entstanden – in den unterschiedlichsten Arten mit immer neuen Ideen – dass der Trend nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aufzuhalten war.

Wenige Jahrzehnte später fanden die Kinder immer seltener nur Bilder im Kalender vor, sondern immer öfter allerlei süße Leckereien. Der Klassiker ist heute der Schokoladen-Adventskalender – jeden Tag eine kleine Süßigkeit bis zum Weihnachtsfest.

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