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Heiligabend – Tradition und Moderne

Der Heilige Abend hat wohl für die meisten von uns – ob gläubig oder eher atheistisch veranlagt – einen besonderen Zauber. Am besten erlebt man ihn wohl, wenn man nach 19 Uhr einmal auf die Straße geht. Dann herrscht absolute Stille – die meisten Menschen sind mit ihrer Familie zusammen, wenige auf den Straßen unterwegs. Schlimm ist diese Zeit nur für die Einsamen, alle anderen sind glücklich bei ihren Liebsten.

Was die Wenigsten Feiernden wissen, ist, dass am Heiligen Abend auch der Namenstag von Adam und Eva, dem ersten Menschenpaar im Paradies gefeiert wird. In einigen bayerischen Regionen ist es jedoch üblich, dass man ein kleines „Paradiesgärtlein“ unter dem Weihnachtsbaum aufbaut, welches eine Darstellungen des Paradieses mit dem ersten Menschenpaar, Pflanzen und Tieren zeigt.

Einst war solch ein Paradiesgärtlein viel weiter verbreitet und fand sich in den meisten Stuben unter dem Weihnachtsbaum. In vergangenen Jahrhunderten wurde der Heilige Abend meist in aller Stille begangen. Man befand sich schließlich auf dem Höhepunkt der Fastenzeit, bevor einen Tag danach das große Schmausen begann.

Häufig gab es bis zum Abend überhaupt nichts zu essen, gegebenenfalls nur eine Brühe und etwas Brot. Man wusch die Kinder – damals war dies nur etwa einmal in der Woche üblich – und putzte das Haus. Schließlich war der Heilige Abend da und begann meist mit einem Kirchgang. Häufig brach man jedoch auch nach dem Nachtmahl zur Christmette um Mitternacht auf.

Das alles ist ganz ähnlich bewahrt geblieben. Das Fest mag zwar nicht mehr ganz so still und nur dem kirchlichen Zweck verschrieben zu sein, aber die meisten besuchen nach wie vor einen Gottesdienst oder ein nachmittägliches Krippenspiel in der Kirche. Dabei finden die christlichen Konfessionen zusammen.

In den meisten Familien wird am Vor- und Nachmittag des 24. Dezember die Weihnachtskrippe aufgebaut, der Weihnachtsbaum geschmückt und die letzten Geschenke verteilt. Man dekoriert den Tisch und isst gemeinsam eine eher kleine Mahlzeit, was noch vom alten Brauch des Fastens abgeleitet wird. Die Gans oder der Karpfen kommen eher selten bereits am Heiligen Abend auf den Tisch – sie sind für den Ersten Weihnachtsfeiertag bestimmt.

Einst wurde am Heiligen Abend stets die Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Auch dieser Brauch hat sich bis heute in vielen Familien gehalten. Fast gänzlich abhanden gekommen ist der Brauch, des Nachts in den Stall zu gehen, weil dort die Tiere sprechen könnten. Auch räuchert man nicht mehr am Heiligen Abend die Ställe mit Weihrauch aus. Geblieben ist aber, dass viele Haustierbesitzer ihren Lieblingen an diesem Tag etwas besonders Gutes zum Fressen bereiten.

Das Christkind bringt dem Volksglauben nach die Geschenke im Süden, während im Norden eher der Weihnachtsmann unterwegs ist. Auch ist das Christkind als Gabenbringen typisch für den katholischen Glauben.

Die Bescherung am Weihnachtsabend gibt es übrigens schon seit der Zeit Martin Luthers, als dieser entschied, dass die Kinder am Heiligen Abend mit etwas Besonderem belohnt werden sollten, wenn sie das Jahr über brav gewesen waren.

Heute wie damals ist es ein beliebter Brauch, unter dem Tannenbaum eines der bekannten Weihnachtslieder, meist „Stille Nacht“, „O, du Fröhliche“ oder „O Tannenbaum“, zu singen bevor die Geschenke verteilt werden.

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